18 MIN · Psyche

Angst vor der Angst überwinden: Wie Selbstmitgefühl und Akzeptanz das Unterbewusstsein beruhigen

Wenn Sie Angst als Signal des Unterbewusstseins verstehen, verliert sie ihren Schrecken.

Zusammenfassung in 30 Sekunden

Der Therapeut Tim Box litt jahrelang unter schwerer sozialer Phobie, bis er erkannte, dass der Versuch, Angst komplett auszulöschen, vergeblich ist. Angst ist eine natürliche Emotion, die Aufmerksamkeit einfordert – nur Verstorbene und Psychopathen sind völlig frei davon. Mithilfe des Bildes von Kapitän (Verstand) und Crew (Unterbewusstsein) erklärt Box, dass Angstsymptome Schutzversuche unseres Gehirns darstellen. Wer Angst als Feind bekämpft oder medikamentös betäubt, lässt das Unterbewusstsein nur noch lauter rufen. Die Lösung liegt in drei Schritten: Die Diagnose einer Störung verweigern, dem Signal aufmerksam zuhören und sich selbst mit Wohlwollen begegnen.

Zentrale Begriffe

Angst als Signal statt Krankheit

Angst ist eine biologisch sinnvolle Schutzfunktion des Körpers. Der Versuch, sie vollständig zu beseitigen, ist unnatürlich und führt erst recht zu einer feindseligen Haltung gegenüber den eigenen Gefühlen.

Tims Vermeidungstaktik bei sozialer Phobie

Jahrelang versuchte Tim Box, alle Situationen zu meiden, die soziale Ängste in ihm auslösten. Er plante seine Wege um Menschenmengen herum und zog sich bei Panikgefühlen sofort zurück. Trotz Ablenkungstechniken wurde die Angst durch diesen ständigen Kampf jedoch nur noch intensiver. Erst als er verstand, dass Angst ein natürlicher Schutzmechanismus ist, konnte er sein Leiden beenden. Diese Einsicht verwandelte sein Leben und begründete seine spätere Arbeit als Therapeut.

Das Schiffmodell für Verstand und Unterbewusstsein

Der bewusste Verstand entspricht dem Kapitän eines Schiffes, der Ziele festlegt und logisch denkt. Das Unterbewusstsein ist die Crew, die alle automatischen Reaktionen und Emotionen steuert und den Kapitän durch Angst vor Gefahren warnen will.

Der 3-Schritte-Ansatz zur Transformation von Angst

Drei mentale Umstellungen verwandeln das Unterbewusstsein von einem brüllenden Gegenspieler in einen verlässlichen Partner.

1. Die Krankheitsdiagnose ablehnen

Hören Sie auf, Angstgefühle als Beweis einer Störung zu betrachten. Wer sich nicht mehr wegen der Angst selbst sorgt, nimmt der Emotion ihre bedrohlichste Schärfe.

2. Dem Unterbewusstsein aufmerksam zuhören

Ignorieren Sie Angstsymptome nicht, da das Unterbewusstsein sonst immer lauter schreit. Sobald das Signal bewusst wahrgenommen wird, beruhigt sich die emotionale Reaktion und der Verstand kann die Situation rational bewerten.

3. Einen freundlichen inneren Dialog führen

Behandeln Sie sich selbst mit Selbstmitgefühl statt mit harscher Kritik. Abwertende Gedanken schwächen das Selbstwertgefühl der 'Crew' und verstärken zukünftige Panikreaktionen.

5-Minuten-Aktion

Der 5-Minuten-Dialog mit der Angst

  1. Nehmen Sie das aktuelle Unruhegefühl im Körper zwei Minuten lang bewusst wahr, ohne es zu bewerten oder zu bekämpfen.
  2. Fragen Sie sich: 'Welches wichtige Anliegen versucht mein Unterbewusstsein mir gerade mitzuteilen?'
  3. Antworten Sie sich selbst gedanklich in einem freundlichen Ton, dass Sie die Warnung gehört haben und sich darum kümmern werden.

BeispielSagen Sie sich bei Lampenfieber: 'Danke, dass du mich erinnerst, wie wichtig mir dieser Vortrag ist. Ich bin vorbereitet und übernehme jetzt.'

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